Café Sibylle

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Café Sibylle, 2009

Das Café Sibylle ist ein Café in der Karl-Marx-Allee in Berlin, das 1953 unter dem Namen Milchtrinkhalle eröffnet wurde und seitdem mit kurzen Unterbrechungen betrieben wird.

GeschichteBearbeiten | Quelltext bearbeiten

Milchbar, 1957

Die Milchtrinkhalle eröffnete 1953 an der damaligen Stalinallee, die zu dieser Zeit zum sozialistischen Prachtboulevard umgestaltet wurde. Kurz darauf in Milchbar umbenannt, war sie zunächst als ebensolche und Eiscafé konzipiert. In den 1960er Jahren erfolgte durch politisches Einwirken die Umbenennung in Café Sibylle. Der Name bezog sich auf die in der DDR populäre Frauenzeitschrift Sibylle, da im Café regelmäßig Treffen von Redakteuren und Models sowie Modenschauen stattgefunden haben sollen. Durch die Gestaltung der nun Karl-Marx-Allee genannten Straße zum sozialistischen Vorzeigeobjekt mit ausgewählten Geschäften und Einrichtungen galt auch das Cafe bald als exklusive Adresse und entwickelte sich zu einem zentralen Anlaufpunkt des Viertels. Nach der Wende wurde das Café Sibylle geschlossen.[1][2][3]

Zu Beginn der 2000er Jahre erfolgte die Wiedereröffnung des Cafés. Neben dem Cafébetrieb wurde eine dauerhafte Ausstellung eingerichtet, welche die Geschichte der Stalinallee / Karl-Marx-Allee zeigt. Bei den Renovierungsarbeiten vor der Neueröffnung wurden originale Wandbemalungen aus den Zeiten des Eiscafés der 1950er Jahre freigelegt, die in die Gestaltung des neuen Café Sibylle eingebunden wurden. Aufgrund von finanziellen und vertraglichen Unstimmigkeiten sowie der Insolvenz des Betreibervereins, der die Räumlichkeiten vermietete, kam es zum 1. April 2018 zur Schließung des Cafés.[1][2][4]

Im Juli 2018 wurde bekannt, dass ein neuer Betreiber für das Café Sibylle gefunden wurde, der neben dem Cafébetrieb auch die Ausstellung weiterführt.[5] Das Café Sibylle wurde am 16. November 2018 mit einer offiziellen Einweihungsfeier wiedereröffnet, an der auch Hans Modrow, der letzte Regierungschef der DDR, teilnahm. Modrow bezeichnete das Café zur Eröffnung als „ein Symbol der Hauptstadt“. Am Tag darauf wurde der reguläre Betrieb wieder aufgenommen.[6]

AusstellungBearbeiten | Quelltext bearbeiten

Stalins Ohr

Die Ausstellung im Café Sibylle dokumentiert die Geschichte der Stalin- und späteren Karl-Marx-Allee. Gezeigt werden alte Baupläne, Fotos und andere Exponate aus der Zeit der Umgestaltung der Straße in den 1950er Jahren sowie den Jahren bis zur Wende. Außerdem beherbergt die Ausstellung diverse Alltagsgegenstände aus der DDR der 1950er und 1960er Jahre.[7][8]

Zu den kuriosesten Stücken dieser Ausstellung zählen zwei Bruchstücke des ehemaligen Stalindenkmals, das von 1951 bis 1961 an der Stalinallee stand: ein Ohr sowie ein Stück des Bartes. Arbeiter, die an der Demontage des Denkmals beteiligt waren, hatten sich diese Teile als Souvenir behalten und sie bei der Errichtung der Ausstellung dieser zur Verfügung gestellt.[3]

SonstigesBearbeiten | Quelltext bearbeiten

Der gelbe Neonschriftzug „Café Sibylle“ über der Eingangstür wurde, ebenso wie der Schriftzug der Karl-Marx-Buchhandlung einige Häuser weiter, unter Denkmalschutz gestellt, um dem Verschwinden der in der DDR weit verbreiteten Leuchtreklamen entgegenzuwirken.[9]

LiteraturBearbeiten | Quelltext bearbeiten

  • Martin Jander: Berlin (DDR). Ein politischer Stadtspaziergang. Ch. Links Verlag, Berlin 2003, S. 38 ff. ISBN 978-3-86153-293-4.
  • Peter Devaere: Berliner Cafés: Die 50 originellsten Kaffeehäuser der Hauptstadt. CreateSpace 2016, S. 47 f. ISBN 978-1-53763-869-0.

WeblinksBearbeiten | Quelltext bearbeiten

 Commons: Café Sibylle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten | Quelltext bearbeiten

  1. a b Sebastian Blottner: Café Sibylle setzt auf DDR-Geschichte ohne Ostalgie. Berliner Morgenpost, 6. April 2016, abgerufen am 18. September 2018.
  2. a b Kristin Kruthaup: Ostberliner Kult-Café Sibylle vor Aus. Märkische Allgemeine, 19. März 2018, abgerufen am 18. September 2018.
  3. a b Eberhard Schade: Wohnen im Baudenkmal Karl-Marx-Allee. Deutschlandfunk Kultur, abgerufen am 20. September 2018.
  4. Andreas Hartmann: Im Osten wird der Kaffee knapp. Die Tageszeitung, 20. März 2018, abgerufen am 18. September 2018.
  5. Nele Jensch: Neue Hoffnung für das Café Sibylle auf der Karl-Marx-Allee. Der Tagesspiegel, 5. Juli 2018, abgerufen am 18. September 2018.
  6. Christian Gehrke: Kulttreff des Ostens – Café Sibylle hat wieder geöffnet. Berliner Zeitung, 18. November 2018, abgerufen am 25. November 2018.
  7. Jens-Axel Götze: Schwedeneisbecher und Stalins Schnurrbart. Friedrichshainer Chronik, Mai 2011, abgerufen am 20. September 2018 (Memento im Internet Archive).
  8. Annette Hörnig: Kampf ums Kult-Café. Super Illu, 5. April 2018, abgerufen am 20. September 2018.
  9. Lothar Bertels: Gotha im Wandel 1990–2012. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-03684-3, S. 163 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

Koordinaten: 52° 31′ 2,3″ N, 13° 26′ 13,3″ O