Het Verscholen Dorp

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20160517 Het verscholen dorp2 Vierhouten.jpg
20160517 Het verscholen dorp1 Vierhouten.jpg
Originalgetreu nachgebaute Hütten des Verscholen Dorp (2016)
Gedenkstein für Tante Cor und Opa Bakker (2017)

Het Verscholen Dorp (deutsch Das Versteckte Dorf), auch Pas-op-kamp, war ein Gelände mit unterirdischen Häusern bei Vierhouten, in denen während der deutschen Besatzung der Niederlande im Zweiten Weltkrieg bis zu 120 untergetauchte Personen versteckt wurden. Heute ist das Verscholen Dorp aus nachgebauten Hütten ein Freilichtmuseum.

GeschichteBearbeiten | Quelltext bearbeiten

Jugendherberge De Paasheuvel (2009)

Im Laufe der Besatzung durch die Deutschen wuchs die Zahl der untergetauchten Menschen in den Niederlanden. So gelangten etwa die in der Gegend von Ermelo, in Nunspeet, Epe, Doornspijk und Vierhouten vorhandenen Verstecke an die Grenzen ihrer Aufnahmekapazitäten. Zudem wurde die Gefahr der Aufdeckung ständig größer.[1]

In Zusammenarbeit mit Cornelia Johanna Bakker-van Rheenen (1900–1989) und Dionisius Dirk Bakker (1879–1945) – Tante Cor und Opa Bakker genannt – ließ Edouard Henri von Baumhauer (1890–1950) deshalb in den dichten Wäldern bei Vierhouten das heute sogenannte Verscholen Dorp errichten. Von Baumhauer (De Boem) stammte aus einer angesehenen deutschstämmigen Familie und war Rechtsanwalt von Beruf.[2] Er hatte zahlreiche internationale Kontakte und war über das Schicksal der Juden in Deutschland gut informiert. Im Mai 1942 wurde er verhaftet und verbrachte mehr als sechs Monate im Gefängnis von Sint-Michielsgestel. Bakker war Mitglied der Nederlandse Binnenlandse Strijdkrachten (NBS), einer Vereinigung von niederländischen Widerstandsgruppen unter der Führung von Prinz Bernhard.[3]

Zunächst plante von Baumhauer, ein Försterhaus hinter dem Bauerngehöft Pas Op als Versteck zu nutzen; der Förster riet jedoch davon ab, da das Haus zu nahe an Spazierwegen gelegen sei. Man müsse die untergetauchten Menschen tiefer im Wald verstecken, da man dort vor Patrouillen sicherer sei. Ab Mai 1943 wurden die ersten Menschen in einem Schafstall und in einem Zelt untergebracht, dann aber wurden insgesamt zwölf einfache Hütten gebaut, einige von ihnen halb, andere komplett unterirdisch; das Lager wurde Pas-op-kamp genannt.[1]

In diesem Lager lebten zeitweise 120 Menschen, die meisten von ihnen Juden, zudem ein deutscher Deserteur, ein niederländischer Polizist, der nicht unter den Nationalsozialisten arbeiten wollte, abgeschossene alliierte Piloten, ein Pole und ein Russe.[1][4] Tante Cor und Opa Bakker organisierten die Versorgung der versteckten Menschen. Da das Lager keinen Zugang zu Trinkwasser hatte, musste dieses abends von den umliegenden Häusern geholt werden, bis Widerstandskämpfer eine Wasserpumpe in der Nähe des Lagers installierten. Die ärztliche Versorgung erfolgte durch zwei Mediziner, die ebenfalls im Verscholen Dorp versteckt lebten. Die Kinder wurden von Studenten aus dem Lager unterrichtet, auch um sie zu beschäftigen und ruhig zu halten.[1] Die einzelnen Hütten erhielten Namen wie AM-hut (Anti-Moffen-Hütte), BIM-hut (Beatrix-Irene-Margriet) oder Oranjehaven. Sie waren mit Betten, Heizungen, Zylindern mit Butangas, Bandagentrommeln und einer Trage ausgestattet. Jeden Tag brachte eine Gruppe Freiwilliger aus Nunspeet Lebensmittel, Spielzeug, saubere Wäsche und die neuesten Nachrichten.[4]

Aufgrund der beengten und gefährlichen Situation kam es zu Spannungen unter den Bewohnern, einige von ihnen litten unter „boskolder“ („Waldkoller“). Es gab strenge Verhaltensregeln: So war das Lager durch Brandschneisen in vier Abschnitte aufgeteilt, und die Bewohner durften sich nur abends und ganz leise in ihrem eigenen Abschnitt bewegen.[1] Einer der Widerstandskämpfer machte den Fehler, das Dorf zu filmen, und der Film wurde von den Deutschen bei einer Hausdurchsuchung gefunden. Daraufhin wurde das Dorp umgehend für einige Tage evakuiert, bis sich herausstellte, dass der Film unbrauchbar gemacht worden war – ob durch Unvorsichtigkeit der Besatzer oder auf Betreiben von Edouard von Baumhauer absichtlich durch einen niederländischen Mitarbeiter des Labors, ist ungeklärt.[1]

Am 29. Oktober 1944 wurde das Dorf zufällig von zwei Angehörigen des SS-Freiwilligen-Grenadier-Regiments „Landstorm Nederland“ entdeckt,[5] die sich auf der Jagd befanden. Sie gaben Warnschüsse ab, weshalb die meisten Menschen fliehen konnten. Die SS-Männer ließen aus der nahegelegenen Jugendherberge der sozialistischen Arbeiterjugend De Paasheuvel, wo sie untergebracht waren, Verstärkung holen. Acht jüdische Menschen, darunter der sechsjährige John Roelof Meijers, wurden gefangen genommen, und das Dorf wurde zerstört. Der Vater des Jungen, Arend Samuel Meijers, versuchte gemeinsam mit einem anderen Mann zu fliehen, kehrte aber zurück, als er seinen Sohn schreien hörte.[1] Die 66-jährige zuckerkranke Kaatje Gompes-Schoonhoed starb schon in der Nacht zum 31. Oktober aufgrund von Erschöpfung und Insulinmangel, ihr Mann wurde mit einer Handgranate getötet; die beiden Leichen warf man gemeinsam in eine Grube.[6] Die übrigen Menschen wurden am folgenden Tag erschossen.[6] Mindestens 83 Menschen, darunter Frau und Tochter von Arend Samuel Meijers, konnten entkommen und wurden durch den Widerstand erneut versteckt; die meisten von ihnen überlebten die Besatzungszeit.[6]

Opa Bakker wurde am 2. März 1945 im Rahmen einer Vergeltungsmaßnahme gemeinsam mit 47 weiteren Widerstandskämpfern von den Deutschen in Varsseveld hingerichtet, nachdem er eher zufällig auf der Straße verhaftet worden war.[1] Bis zum Kriegsende versteckten Edouard von Baumhauer und seine Frau Hermen von Baumhauer-Ribbink (1895–1986) jüdische Menschen in ihrer Villa, die über sieben Schlafzimmer mit 25 Betten verfügte.[7]

EhrungenBearbeiten | Quelltext bearbeiten

1947 wurde Opa Bakker posthum mit der US-amerikanischen Medal of Freedom geehrt, da im Verscholen Dorp US-amerikanische Soldaten versteckt gewesen waren und überlebt hatten. Am 16. Juni 1964 wurde das Ehepaar Bakker von Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern ausgezeichnet.[8] 1984 erhielten Cor Bakker und die Witwe von Edouard von Baumhauer das Verzetsherdenkingskruis (Resistance Memorial Cross), ebenso ihre inzwischen verstorbenen Ehemänner.[9] Hermina und Edouard von Baumhauer wurden am 20. Juli 1999 von Yad Vashem in den Kreis der Gerechten unter den Völkern aufgenommen.[7] Auch weitere Unterstützer des Verscholen Dorp wurden mit dem Verzetsherdenkingskruis geehrt.[1]

ErinnerungBearbeiten | Quelltext bearbeiten

Die sogenannte AM-hut überstand das Kriegsende, 1952 brannte sie ab. An ihrer Stelle wurde 1970 ein originalgetreuer Nachbau erstellt sowie ein Gedenkstein für Tante Cor und Opa Bakker enthüllt. 1991 wurde die Stichting Het Verscholen Dorp gegründet.[10] 1995 wurden zwei weitere Hütten nachgebaut, die besichtigt werden können.[11] Eine Ausstellung zum Verscholen Dorp ist in der Empfangshalle des nahegelegenen Hotels De Vossenberg eingerichtet.[12] Jährlich organisiert die Stiftung am Nationale Dodenherdenking, dem 4. Mai, eine Gedenkveranstaltung am Verscholen Dorp.[13]

Tafel mit einem Gedicht von Ida Vos (2016).

Am Verscholen Dorp befindet sich zudem ein Mahnmal für die getöteten Menschen Arnold de Leeuw, Louisa Mathilda de Leeuw-Weijl, Johan de Leeuw, Arend Samuel Meijers, John Roelof Meijers, Hartog Spijer, Max Gompes und Kaatje Gompes-Schoonhoed. Es wurde an der Stelle platziert, wo sie hingerichtet wurden.[4] In der Nähe ist eine Tafel mit einem Gedicht von Ida Vos angebracht.

LiteraturBearbeiten | Quelltext bearbeiten

  • Imogen Matthews: The Hidden Village: A Story of Survival in WW2 Holland. Amsterdam Publishers, 2017, ISBN 978-94-92371-25-6 (englisch). (Roman)
  • H.J. van Nijnatten-Doffegnies: Het geheime dorp. Kok ten Have, 1976, ISBN 978-90-266-2672-2 (niederländisch). (Roman)
  • Aart Visser: Het Verscholen Dorp. Bredewold, 1980, ISBN 978-90-71097-16-4 (niederländisch).
  • Janet Wees: De jongen in de schaduw. Walter duikt onder in het verscholen dorp. Callenbach, 2018, ISBN 978-90-266-2266-3 (niederländisch). (Roman)

WeblinksBearbeiten | Quelltext bearbeiten

 Commons: Verscholen Dorp – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und AnmerkungenBearbeiten | Quelltext bearbeiten

  1. a b c d e f g h i Verscholen Dorp in Vierhouten. In: go2war2.nl. Abgerufen am 21. Oktober 2018 (niederländisch).
  2. Die Familie stammte ursprünglich aus dem Raum Coesfeld und war seit dem 18. Jahrhundert in den Niederlanden als Kaufleute ansässig. Ein Vorfahre der Familie war der Monschauer Tuchfabrikant Bernhard Georg von Scheibler. Der Großvater von Edouard Henri Baumhauer war der Chemiker Eduard Heinrich von Baumhauer (1820–1885), sein Bruder der Luftfahrtpionier Albert Gillis von Baumhauer (1891–1939). Dessen Sohn Eduard Mari von Baumhauer (1920–1941) war ebenfalls im Widerstand aktiv und ertrank im Februar 1941 zusammen mit seinem Freund Arnold Cohen auf dem Weg nach England mit einem selbstgebauten Boot in der Nordsee. Inventaris van het archief van de familie von Baumhauer, 1513–2005. Zugriff am 25. Oktober 2018.
  3. Bakker, Dionisius Dirk. In: tracesofwar.com. Abgerufen am 24. Oktober 2018 (englisch).
  4. a b c Vierhouten, Het Verscholen Dorp. In: 4en5mei.nl. 4. September 2017, abgerufen am 24. Oktober 2018 (niederländisch).
  5. The Secret Village. In: Exciting History. Abgerufen am 24. Oktober 2018.
  6. a b c "Raus du Jude, raus": de toevallige ontdekking van het Verscholen Dorp. In: omroepgelderland.nl. Abgerufen am 24. Oktober 2018 (niederländisch).
  7. a b Baumhauer von Family. In: The Righteous Among The Nations. Abgerufen am 23. Oktober 2018 (englisch).
  8. Bakker family. In: The Righteous Among The Nations. Abgerufen am 23. Oktober 2018 (englisch).
  9. Verzetsherdenkingskruis. In: go2war2.nl. 23. April 1915, abgerufen am 24. Oktober 2018 (niederländisch).
  10. Verscholendorp > De stichting > Oprichting stichting. In: verscholendorp.eu. Abgerufen am 23. Oktober 2018 (niederländisch).
  11. Verscholendorp > Het onderduikerskamp > Het verhaal van het Verscholen Dorp. In: verscholendorp.eu. Abgerufen am 23. Oktober 2018 (niederländisch).
  12. Verscholendorp > Expositie. In: verscholendorp.eu. Abgerufen am 24. Oktober 2018 (niederländisch).
  13. Home. In: verscholendorp.eu. Abgerufen am 29. Oktober 2018 (niederländisch).

Koordinaten: 52° 20′ 9,6″ N, 5° 52′ 20,4″ O